TKD frühe 80er
Geschichte von TKD (kleiner Umriss)
Ah ja. Die Geschichte von TaeKwonDo. Hm. Na Ja. Eh. Wollen Sie
die offizielle Geschichte, die geschönte Geschichte, die Geschichte
die in den meisten TaeKwonDo Büchern steht, oder die wahre
Geschichte? überall steht nämlich nur ein bisschen von den
(wahrscheinlich) tatsächlichen Vorgängen. Ein Problem an
der Geschichtsschreibung in Korea sind die Japaner. Die hatten nämlich
Korea seit ca 1910 besetzt (annektiert ist meist das Wort das verwendet
wird), und haben sämtlich alles Koreanische zerstört, verboten,
umgebracht oder alles drei. Koreanische Sprache war in der Schule
verboten, koreanische Bücher verbrannt (vor allem Geschichtsbücher),
und das Ausüben von koreanischen Kampfkünsten, sprich Taek
Kyon (eine Art Fußkampf), Subak (Handkampf, eher Boxen wie chinesisches
Kung Fu) und Sirum (koreanisches mongolisches Ringen) war bei Todesstrafe
verboten.
Infolgedessen gab es in Korea eigentlich nur Judo und folgend
Karate, also japanische Budo Kampfstile. Wer früher koreanische
Stile machte, machte dies im Geheimen (heute also nicht nachprüfbar),
oder im Ausland. Dementsprechend kann jeder koreanische Kampfstil
erst wieder ab 1945, dem Abzug der Japaner, zum tragen kommen. Eine
ganze Anzahl von Koreanern lernten an den Universitäten in Japan
Karate (meist Shotokan Karate aus dem Umfeld von Funakoshi Gichin
und seinen Schülern, oder Chito Ryu Karate), und unterrichteten
zunächst nach der Rückkehr ins Heimatland japanisches Karate,
inklusive den Formen. Zu diesen Karate Studenten in Japan gehören
fast alle Gründer der Kwans (Schulen) nach 1945 (Mit Ausnahme
von Hwang Kee, dem Gründer des Moo Duk Kwan, der mehr in China
gelernt hatte, aber sich der äußeren Form nach auch am
Karate orientiert hatte.
Nationalbewußte Koeraner
TKD frühe 80er
Dazu muss bemerkt werden, dass alle Koreaner
sehr nationalstolz sind, und schon allein deswegen jeglichen
japanischen Einfluss auf koreanische Kampfkünste von sich weisen. Leider
leben einige der Stilgründer noch, oder haben im letzten Jahrzehnt
genügend Interviews gegeben, in denen sie dies nicht verschweigen.
In den meisten TaeKwonDo Büchern steht, dass TaeKwonDo über
2000 Jahre alt ist. Das ist natürlich Blödsinn. Richtig
ist, dass es in Korea eine reiche Kampfkunsttradition gab, 1700 –
1840 gab es auch alle 4 Jahre am Kaiserhof in Korea ein großes
Turnier, an dem die besten Kämpfer aus Ganz China, Okinawa, und
Restasien regelmäßig teilnahmen. Die Kriegskünste
der Hwarang, der sogenannten koreanischen Samurai, standen denen ihrer
japanischen Vettern sicher in nichts nach, und es ist allgemeines
Wissen in Asien, dass die Kämpfer aus der Mandschurei (Nordostchina)
und Choson (alter Name von Korea) immer schon sehr gut mit ihren
Beinen umgehen konnten.
Aber: der Kaiserhof war strengstens Konfuzianisch,
und sich prügeln war unerwünscht; mit weinigen Ausnahmen
waren die meisten Kaiser den Kampfkünsten schlecht gewogen (außer
man war Offizier beim Heer, dann durfte man, das war ja Vaterlandspflicht).
Um 1900 herum, gab es nun kaum mehr öffentlich praktizierte Kampfkünste
oder Schulen, alles war im Niedergang. Nur einige Einzelpersonen und
einige entlegene buddhistische Klöster unterrichteten noch Taek
Kyon oder Subak. Und mit den Japanern kam ab 1910 alles zum erliegen.
Das heißt, eine ungebrochene starke Übertragungslinie zu
behaupten, stimmt so sicher nicht. Was stimmt, ist, dass alle Kampfkünste
in Korea, die ab 1945 wieder aufflackern, in kürzester Zeit einen
ganz bestimmten koreanischen Geschmack bekamen; und die Kicks bekamen
mehr Gewicht. So ist für mich nun jede Kampfkunst in Korea nach
50 Jahren sicherlich rein koreanisch geworden, was auch immer vorher
vorgefallen sein mag.
WM 2004, Garmisch
Ab etwa 1950 gab es einige Treffen der Leiter der verschiedenen
Kwans, bei denen besprochen wurde wie man sich den nun zu einem
Verband zusammenschließen
könnte; und der Druck der Regierung, die die Schulen kontrollieren
wollte, nahm ebenfalls zu. Die Absicht der Regierung war damals, keine
unkontrollierten Vereinigungen zuzulassen, es gab ja genügend
Unruhen und so genannte kommunistische Studenten; 1950-1953 dann noch
der Koreakrieg, bei dem Korea in den Kommunistischen Norden und die
Militärdiktatur unter amerikanischer Hegemonie im Süden
geteilt wurde. 1955 nun gab es ein weiteres Treffen der Kwanleiter, diesmal
unter starkem Druck der Regierung, die einen nationalen Sport
unter einem
Gemeinsamen Namen schaffen wollte. Vorherrschend war dabei
General Choi Hong Hi, Chef des Chun Do Kwan und des Oh Do
Kwan, nebenbei
auch noch Leiter des Armeegeheimndienstes und als solcher
ziemlich mächtig.
Weiters anwesend waren noch Vertreter der meisten großen Kwans,
allerdings nicht die echten Leiter (einige waren im Koreakrieg vermisst,
bei anderen Kwans waren Spaltungen aufgetreten, einige wollten zu
der Regeierungsvereinigung dazu, andere nicht wie zum Beispiel Hwang
Ki, der Chef des Moo Duk Kwan, dessen ältere Schüler aber
dann doch dazu gingen). Bei dieser Versammlung wurde dann der Name
TaeKwonDo auf Druck Choi Hong Hi´s angenommen. Die bisher
verwendeten Namen (Tae Soo Do, Tang Soo Do, Kong Soo Do, Kwon Bup,
usw.) sollten aufgegeben werden, die Danprüfungen sollten reglementiert
werden (unter Staatskontrolle natürlich), die Geldeinnahmen ebenso
(für die Steuer natürlich), und die Mitglieder der Kwans
sollten in einer zentralen Kartei mit Fotos erfasst werden (für
die Geheimdienste natürlich).
Wie der Name TaeKwonDo entstand
TaeKwonDo, eine Bezeichnung die
schon seit etwa 1951 zeitweise verwendet wurde, wurde gewählt
weil sie der alten Bezeichnung Taek Kyon ähnlich war, aber auch
Kwon enthielt wie Kwon Bup, und ein Do wie die bekannteren japanischen
Budosportarten. Dazu ist übrigens noch etwas zu bemerken: in
den 50ern und 60ern gab es in Korea 2 voneinander getrennte Kontrollorganisationen:
eine für den Kampfsport (nun TaeKwonDo, Judo, westliches Ringen,
Boxen usw.) und eine andere (genannt Ki Do Hae) für die traditionellen
Kampfkünste (Hap Ki Do, Hwarang Do, Kuk Sul Won, usw). Verschiedenst
gesellschaftliche und politische Umwälzungen folgten; General
Choi verbreitete ab ca 1963 seine Version von TaeKwonDo (den Militär
TaeKwonDo Stil) in der ganzen Welt, unterstützt von der koreanischen
Regierung, und so gab es ab etwa 1965 in Europa und natürlich
den USA einige Meister die TaeKwonDo verbreiteten.
Parallel dazu
gab es aber auch Verbreitung der anderen TaeKwonDo-artigen, älteren
Stile, so dass es nun auch Tang Soo Do im Moo Duk Kwan Stil
von Hwang Ki auf der ganzen Welt gab, und auch einige der
Militär TaeKwonDo Meister gingen wieder dazu über, sich eher mit dem
Namen ihres ursprünglichen Kwan zu benennen, deswegen
gab es vor allem den USA auch viele Chung Do Kwan TaeKwonDo Schulen und ähnliches.
Noch dazu gab es in den USA einige wenige sehr früh aus
Korea in die USA ausgewanderte Meister, die sich überhaupt
Korean Karate nannten, da sie ja in Korea von 1945 bis 1950
Karate mit Karate Formen
gelernt hatten, nicht TaeKwonDo. Somit ist das Chaos nun
zumindest im Überblick perfekt, nicht? Aber es kommt
noch besser.
Die großen TKD Verbände entstehen
Nach Gründung einer koreanischen TKD Vereinigung,
der KTA Korea TKD Association, gründete General Choi
Hong Hi in den 60ern als weltumspannende Vereinigung die ITF
International TKD Föderation,
bei der die meisten seiner treuen Schüler jeweils Präsidenten
der nationalen TKD Verbände waren. Soweit, so gut; aber
General Choi, der schon mit dem Neuen Präsidenten in
Korea Schwierigkeiten hatte (General Choi wurde anscheinend
ca 1971 seines Postens als Armeegeheimdienstchef
enthoben, äh pensioniert) machte nun einen schweren Fehler
in den Augen der südkoreanischen Regierung. Choi stammt
aus Pyöngyang,
das heute im kommunistischen Nordkorea liegt. Er wollte zu
einer Wiedervereinigung beitragen, indem er eine sogenannte
TaeKwonDo Goodwill Tour auch
durch Nordkorea unternahm. Dies stieß der südkoreanischen
Regierung so sauer auf, dass sie im Gefolge General Choi
des Landes verwiesen, und der ließ sich dann in Kanada
nieder, wohin er das Hauptquartier der ITF mitnahm.
Einer der frühen Meister
Kwon Jae Hwa
Darauf
hin schuf die südkoreanische
Regierung einen 1972 eigenen Weltverband, die WTF World TaeKwonDo Föderation, mit der Gründungsversammlung
1973 bei den ersten TaeKwonDo Weltmeisterschaften in Seoul.
Dieser Verband stand und
steht unter der Leitung von Dr Kim Un Yong (=Un Yong Kim),
der auch aus dem Nachrichtendienst Milieu stammt und ein
alter Widersacher
General Choi´s war.
Nun haben wir 2 TaeKwonDo Weltverbände
(neben mehreren kleineren natürlich), die sich nicht
leiden können.
Die ITF unter dem kürzlich verstorbenen General Choi steht
für das traditionellere
TaeKwonDo, mit älteren Formen, Freikampfregeln im Semikontakt
mit Hand & Fußschützern, und etwas anderen
Techniken, sowie eigenen Weltmeisterschaften. Die WTF steht
für moderneres
sportorientiertes TaeKwonDo, mit dem Freikampf im Vollkontakt,
mit Körperweste, Kopfschutz und ohne Fuß & Handschutz,
mit einer sich ständig weiterentwickelnden Technik, weit über
140 Mitgliedsländern mit echt vielen TaeKwonDo Betreibenden
(der richtige Name ist TaeKwonDo-In; die englische Bezeichnung
TKD Player gefällt mir nicht, ich spiele ja nicht wenn
ich kämpfe).
Das WTF TKD wurde 1980 in Moskau als Olympische
Disziplin aufgenommen, und war 1988 in Barcelona und 1992
in Seoul
Demonstrationswettbewerb (das heißt es war ein Einladungsturnier,
dessen Medaillen nicht in die Nationenwertung aufgenommen
wurden). 2000 in Sydney war TaeKwonDo dann schon Vollwettbewerb, etwas von dem Karate nur
träumen
kann.
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