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Südamerika


Henk Meyer, Belgien
Weltmeister 85

Capoeira

Die seit ca 1550 nach Brasilien importierten schwarzen Sklaven entwickelten einen mit Musik aufbereiteten so genannten Kampftanz, also eine Kampfkunst die als Tanz getarnt war und den weißen Aufsehern nicht weiter auffiel. Wurzeln dessen gibt es auch noch in Afrika; allerdings ist die Capoeira inzwischen rein brasilianisch. Bevorzugt werden die Fußtechniken, die Arme weniger, da ursprünglich die Hände mit Eisenfesseln behindert waren; auch heute noch werden bei der Capoeira die Handtechniken eher angedeutet, allerdings aus einem anderen Grund: es wird angenommen, man habe ein Messer oder Glasscherben in der Hand (es gibt sogar Berichte, nach denen früher Meister kleine Glasscherben zwischen den Zehen hielten!).

Während der Monarchie war Capoeira verboten; erst in den 1930ern wurde es nicht mehr verfolgt (merke: das Verbot wurde nie aufgehoben, sondern das Gesetz nicht mehr exekutiert; erst nach Zusammenbrechen der Militärjunta 1984 fiel das Gesetz). Meister der Alten Cpoeira (Capoeira Angola) waren Meister Pastinha und Meister Bimba (echt: Manuel dos Reis Machado). Bimba erneuerte die Capoeira, mit mehr Fußtechniken, schnellerer Musik und offensichtlichen Kampfanwendungen. Unbestätigten Berichten zufolge soll sich Bimba die Anleihen bei den Fußtechniken bei asiatischen Kampfsportarten geholt haben (eventuell einem früh nach Brasilien ausgewanderten Koreaner, dessen Name unbekannt ist). Diese Version nannte er Capoeira Regional. Heute sieht man (auch in den Augen der meisten Brasilianer selbst) die Capoeira nur mehr als Tanz oder Artistik an, aber gute Meister wissen immer noch, wie man diese Techniken anwendet auf den rauen Straßen Brasiliens.

Jiu Jitsu nach dem Stil der Familie Gracie

Jiu Jitsu nach dem Stil der Familie GracieWie oben erwähnt, wurde das Jiu Jitsu nach dem Stil der Familie Gracie wurde von der Familie Gracie in Brasilien weiter entwickelt. Carlos Gracie lernte in den 1910ern in Belem in Nordbrasilien eine Art sehr kampfbetontes Judo / Jiu Jitsu von Mitsuyo Maeda (genannt Conde Koma). Maeda war ein Schüler Jigoro Kano´s, des Judogründers, der noch ein sehr Kampfbetontes Judo/Jiu Jitsu gelernt hatte, und Mitglied eines Judo Demonstrationsteams für President Roosevelt; Maeda unternahm ab 1904 von den USA beginnend aus Reisen um die Welt, und machte Catchwrestling Shows, bei denen derjenige, der es im Ring mit ihm mehr als 10 Minuten aushielt, Geld gewann.

In London nahm er an den Catchwrestling Weltmeisterschaften teil, reiste um die Welt, Resteuropa, wieder USA, Mexiko, Südamerika; in Nordbrasilien ließ er sich dann nieder (Brasilien hatte Anfang des Jahrhunderts viele japanische Einwanderer). Maeda hatte also ein sehr praktisches, kampfbetontes effizientes Judo, nannte es aber wieder Jiu Jitsu. Dies unterrichtete er aus Gefälligkeit an Carlos Gracie, den Sohn eines lokalen wichtigen Mannes Gastao Gracie, der ihm geholfen hatte. Carlos wieder unterrichtete seine Brüder, darunter Helio Gracie. Carlos und Helio kannten auch von klein auf die Welt der Herausforderungs-Kämpfe (ihr Vater Gastao hatte auch schon einige Kämpfer gemanagt); 1922 gingen die Gracies nach Rio de Janeiro, verbreiteten das Jiu Jitsu, und nehmen jede Menge Herausforderungskämpfe an, die sie zum Großteil alle gewannen; die Gegner kamen nicht nur aus der Welt der Ringer, sondern auch aus der Welt der Kampfkünste, andere japanische Jiu Jitsu oder Judo Meister, Capoeira Meister, lokale Größen, Straßenprügler, was auch immer.

Das heißt, seit 80 Jahren gibt es in der sehr zahlreichen Familie Gracie diese Tradition der (meist sehr regellosen) Herausforderungskämpfe, die meisten wurden von den Gracies gewonnen. Deren modifiziertes Jiu Jitsu bestand darin, einen Clinch zu erzielen ohne vom Gegner getroffen zu werden, ihn zu Boden zu bringen, in die Mount Position (obensitzend) oder zumindest in die Guard Position (am Rücken liegend den Gegner durch eine Beinschere zu kontrollieren), um in in der Folge auch am Schlagen zu hindern, und ihn abzuwürgen, abzuhebeln oder sonstiges. Dieses Konzept war, zumindest meistens, den Gegnern am Boden weit überlegen. Jiu Jitsu als Sport gibt es erst seit den späten 60er Jahren. Die Familie Gracie ist sehr Zahlreich; Carlos hatte 22 Kinder mit 5 Frauen, Helio immerhin noch 7; die meisten männnlichen Gracies in der zweiten oder dritten Generation sind ausnahmslos gute Kämpfer.

Vale Tudo / Freefight: Die große Erfolgsserie der Gracies trat in der Folge eine riesige Serie von sogenannten Vale Tudo (Brasilianisch Für Anything Goes / Alles erlaubt) Turnieren los, seit den 60ern in Brasilien unglaublich populär; In dieser Anzahl gab es das in keinem anderen Land unter diesen Minimalregeln (nicht Beißen, keine Finger in die Augen, kein Fishhook im Mundwinkel, kein Zeitlimit, beim Aus-dem-Ring-fallen wird stehend wieder angefangen, wer aufgibt klopft ab, der Corner kann das Handtuch werfen; alles andere inklusive Tiefschlägen, Kopfstößen, Kniestöße, Ellbogenschläge, am Boden liegende Gegner treten, usw. alles erlaubt!). Im Oktober 1993 hat ein Sohn Helio Gracie´s, nämlich Rorion Gracie, in den USA das erste UFC Ultimate Fighting Championship Turnier abgehalten. Dies hat die Welt der Kampfkunst wieder revolutioniert und auf einen realeren Grund gebracht. Jiu Jitsu, Grappling, Wrestling sind nun nicht mehr aus der Welt des Budos wegzudenken.

 

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