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Henk Meyer, Belgien
Weltmeister 85

Okinawa

Eine kleine Inselgruppe südlich von Japan; war meistens unabhängig, zahlte jedoch China Tribut (mit dem es den meisten Handel hatte); allerdings rissen sich die Satsumas, ein großer japanischer Clan, die Ryukyu Inseln (so nennt sich die Hauptinsel Okinawa mit den umgebenden Inseln selbst) unter den Nagel, wurde so japanisches Protektorat. Karate steht hier bei Okinawa aufgeführt, weil sich Okinawa nie als Teil Japans gefühlt hat.

Karate / Kobudo

Auf Okinawa gab es immer schon Kampfkünste, die stark durch das südchinesische Kung Fu
beeinflusst waren (Fukien liegt am Festland am nächsten); der südliche Kranich Stil, und ein heute verschwundener Stil namens Pangai Noon waren die Haupteinflüsse auf das Okinawa Te, so die Eigenbezeichnung der lokalen Kampfkunst. In der offiziellen Geschichtsschreibung wird das Karate meist als Stil der unterdrückten Bauern beschrieben; die meisten bekannten Meister stammen jedoch aus den eher begüterten Klassen (meiner Meinung nach haben normale Bauern auch kaum Zeit und Lust, sich ein System auszudenken mit denen man Samurais verprügeln kann, die noch dazu Waffen tragen dürfen, was Okinawa Leuten verboten war).

Auch der Kampf mit einfachen Waffen wurde gepflegt: der Bo (Langstock), Nunchaku (Dreschflegel), Kama (Reissichel), Sai (Heugabel), und einige andere; dies wurde Kobudo genannt. Beim Te, oder auch Tode, kam die Bezeichnung Karate (mit den Schriftzeichen für China Hand) erst recht spät auf. Vorher teilte an das Te in Naha Te, Tomari Te und Shuri Te ein, nach den Stadtteilen die später Okinawa City ergaben. Diese Stile hatten leichte technische Unterschiede und Formen, die Meister respektierten und kannten sich jedoch gegenseitig, schickten sich jedoch auch gegenseitig ihre Meisterschüler um die Spezialitäten der anderen zu lernen. Aus dem Naha Te entstand später das Goju Ryu Karate mit seinem Hauptvertreter Chojun Miyagi, aus dem Shuri Te das Shotokan Karate mit Gichin Funakoshi, das Shorin Ryu mit einigen Meistern und als Mischform zwischen Naha Te und Shuri Te das Shito Ryu unter Kenwa Mabuni.

Alle diese Hauptstile kamen erst 1921/22 nach Japan, wo sie erst ihre Namen erhielten. Funakoshi Sensei zum Beispiel sagte, es gebe nur ein Karate, keine Stile. Andere Meister, die nach Japan kamen, hatten andere Meinungen, aber Funakoshi unterrichtete weit mehr Leute, und speziell die gebildeten Schichten. Erst in der Mitte der 30er Jahre erhielt Karate andere Schriftzeichen, nämlich Kara=Leer und Te=Hand. In das Ausland kam Karate erst 1927 nach Hawaii, in Spuren auf das amerikanische Festland; aber erst in den 50er Jahren, als in Japan der Bann auf Budo und Bujutsu Sportarten fiel, und die GI´s begannen neben Judo auch Karate zu lernen, begann die weltweite Verbreitung.

Heutzutage ist Karate in unzählige Splittergruppen zerrissen, mit einigen wenigen größeren stil-übergreifenden Weltverbänden. Und leider nicht alles, was sich heute Karate nennt, ist traditionell auch wenn es so heißt. Wer nur mehr Formen macht, keine Anwendungen übt, nie auf das Makiwara (einen Schlagpfosten) schlägt, keine praktische Erprobung hat, hat nicht wirklich Karate gemacht; all dies gehört in Okinawa einfach dazu, sowie auch Vollkontakt Kampf bei einigen Stilen (z.B. Uechi Ryu Karate Jutsu).

 

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